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1997 hatte Silvia bei der Eröffnung der Ausstellung über Königin Christina ein Tageszimmer im Romantik-Hotel der Osnabrücker Altstadt bewohnt. Auch ein Jahr später beim großen Jubiläum 350 Jahre Westfälischer Frieden machte sich die schwedische Hoheit wie andere gekrönte Häupter aus Spanien, Dänemark, Norwegen, Belgien und den Niederlanden im Walhalla frisch. Diesmal blieb Silvia eine Nacht in der neuen Suite des Hauses, nachdem sie in Bad Iburg mit dem Courage-Preis ausgezeichnet worden war.
Die Rezeption war ab 14 Uhr Sicherheitsbereich. Eine Reisegruppe aus Südlohn wurde schnell auf ein Glas Prosecco ins Restaurant umgeleitet. Gerne hätten die Besucher die Königin fotografiert. So mussten sie sich aber mit dem Gedanken trösten, eine Nacht unter demselben Dach wie Silvia zu verbringen.
Diesmal hatte die jüngste Bernard-Tochter Maximiliane (5) die ehrenvolle Aufgabe, der Königin einen kleinen Strauß aus gelben Rosen und blauen Hortensien zu überreichen – Schwedens Landesfarben. Etwas aufgeregt sei sie schon, gestand die Kleine vor der Ankunft. Die ganze Familie Bernard, zu der auch Tochter Philippa (10) gehört, stand zum Empfang bereit. Dann wurde die kesse Maxi doch etwas schüchtern. Königin Silvia ging zur Begrüßung freundlich in die Knie. „Ist der Strauß für mich?“, fragte sie. Erst da wurde sich Maxi wieder ihrer Aufgabe bewusst und streckte den hohen Gast das Gebinde entgegen.
Mit einer halbstündigen Verspätung traf Silvia aus Düsseldorf ein. Baustellen verzögerten die Anfahrt trotz Polizeieskorte. In dem Fachwerkhaus Kleine Gildewart 11 bezog die Königin mit mehreren Koffern und Reisetaschen eine exklusive Suite über zwei Etagen. Das einzige weitere Zimmer in diesem Hotelbereich war für ihre Hofdame reserviert. Die Bernards hatten das 1616 erbaute Haus im vergangenen Jahr gekauft und für das Hotel renoviert. In der Suite hat vor Kurzem auch die Schauspielerin Alexandra Maria Lara logiert. Bevor die Königin nach Bad Iburg weiterfuhr, bestellte sie sich ein David-Sandwich, belegt mit Roastbeef und Lachs. Sonderwünsche für die Übernachtung und das Frühstück am Samstagmorgen äußerte sie nicht. Heute wollte sie schon um 8 Uhr wieder die Heimreise antreten.
Als die Begrüßung des hohen Gastes im Hotel Walhalla längst absolviert war, wurde im Bad Iburger Rathaus noch über die wesentlichen Fragen vor einem Königinnenbesuch diskutiert. Zum Beispiel: Knickst die Dame oder knickst sie nicht? Bei Wasser und Kaffee plauderten sich die Gäste im Ratssaal, allen voran die Zeremonienmeister des „Komitee Courage“ Gert Schöwing und Peter Doderer, Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion wie Prinz Asfa Wossen Asserate, Landrat Manfred Hugo, Bürgermeister Drago Jurak und andere auf den Besuch Ihrer Majestät ein. „Noch acht Minuten“, hieß es plötzlich. Die Spannung steigt. Die Nervosität auch? „Nur ein bisschen“, sagte Jurak. „Wir möchten den Besuch ja auch genießen.“ Dann drang von draußen Jubel in den Ratssaal. „Sie kommt, sie kommt.“ Und dann kam sie wirklich. Königin Silvia betrat den Ratssaal in einem silbergrauen Seidenkostüm mit mehrreihiger Perlenkette und einem sympathischen Lächeln. Wer denn die schönen Kalligrafien für ihren Eintrag ins Goldene Buch gezeichnet habe, erkundigte sie sich. Es war Diakon Joseph Funke. Blatt für Blatt ließ sich Silvia auch den Kalender der Malschule Paletti zeigen, den sie neben einer Sophie-Charlotte-Medaille erhalten hat. „Das Tier sieht aus wie eine Mischung zwischen Kamel und Strauß“, fand sie.
Ein Knicks war übrigens nicht vonnöten. Königin Silvia reichte jedem die Hand.
Bericht vom 17. Oktober 2009 |